Kurz gesagt: Ein Firmenvideo kannst du selbst erstellen, wenn es schnell und oft erscheinen und nah am Alltag sein soll. Das gilt etwa für Einblicke in den Alltag und kurze Antworten auf Kundenfragen. Dafür genügen ein Smartphone, ein Ansteckmikrofon, Fensterlicht und ein Stativ. Soll ein Film dein Unternehmen lange vertreten oder Fremde überzeugen, raten wir zu einem Filmteam. Entscheidend ist, wofür du das Video brauchst.
Wir bei DREHGUT sind eine Filmproduktion aus Lübeck. Trotzdem raten wir dir bei vielen Videos, selbst zu drehen. Anleitungen von der Idee bis zum Schnitt findest du im Netz genug. Hier geht es zuerst um die Frage davor: Bei welchem Video lohnt sich das Selbstdrehen, und bei welchem nicht?
Selbst drehen oder Filmproduktion beauftragen: drei Fragen entscheiden
Bevor du über Technik nachdenkst, stell dir drei Fragen. Die Antworten entscheiden, ob du ein Firmenvideo selbst drehst oder eine Filmproduktion beauftragst.
- Wie lange soll das Video im Einsatz sein? Ein Clip für diese Woche darf anders aussehen als ein Film, der jahrelang auf deiner Startseite steht.
- Wer sieht es zuerst, Bekannte oder Fremde? Wer deinen Betrieb kennt, hat schon ein Bild von dir. Fremde kennen von dir zunächst nur dieses Video.
- Wer im Betrieb hat die Zeit für Planung, Dreh und Schnitt? Selbstdrehen spart das Honorar, aber nicht die Arbeit.
Daraus ergibt sich unsere Faustregel. Ist das Video nur kurz im Einsatz, richtet es sich an Bekannte und hat jemand im Betrieb Zeit dafür, dann dreh selbst. Soll der Film lange halten, an wichtiger Stelle stehen und Fremde überzeugen, dann beauftrage ein Filmteam.
Angenommen, eine Zimmerei will sichtbarer werden. Eine Gesellin filmt regelmäßig mit dem Smartphone von der Baustelle: ein Dachstuhl, der gerichtet wird, ein kurzer Tipp zur Holzpflege. Diese Videos müssen nicht glänzen, sie sollen zeigen, wer hier arbeitet. Für den Film auf der Startseite, der neuen Kundinnen und Kunden den Betrieb vorstellt, holt der Inhaber ein Filmteam.
Welche Videos du selbst drehst und welche nicht
Selbst drehen empfehlen wir bei Videos, die du regelmäßig brauchst und die nah am Alltag sind. Dazu zählen Einblicke in den Alltag, kurze Antworten auf Kundenfragen, Neuigkeiten für soziale Medien und Videos für die eigenen Leute. Ein Filmteam für jeden einzelnen Clip halten wir hier oft für die falsche Wahl, weil Nähe und Tempo mehr zählen als Glanz. Dazu kommt ein Vorteil gegenüber einem Team von außen: Deine Mitarbeitenden kennen Produkte, Abläufe und Fachbegriffe in- und auswendig.
| Video | Was es leisten soll | Unsere Empfehlung |
|---|---|---|
| Einblick in den Alltag für soziale Medien | Nähe zeigen, regelmäßig erscheinen | selbst drehen |
| Kurze Antwort auf eine Kundenfrage | schnell und verständlich helfen | selbst drehen |
| Video für die eigenen Leute | intern informieren oder schulen | selbst drehen |
| Kurzes Produktvideo | einen Handgriff zeigen | selbst drehen |
| Imagefilm | das Unternehmen als Ganzes zeigen | beauftragen |
| Werbespot | Produkt oder Dienstleistung in Kurzform emotional erzählen | beauftragen |
| Recruitingfilm | offene Stellen sichtbar machen | beauftragen |
| Success Story | ein Projekt zeigen, auch gemeinsam mit einem Partnerunternehmen | beauftragen |
Ein Produktvideo kannst du selber machen, wenn es kurz ist und einen Handgriff zeigt. Ein Werbespot für dasselbe Produkt ist etwas anderes, dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Eine Ausnahme gibt es bei regelmäßigen Videos für soziale Medien: Fehlt dir dafür auf Dauer die Zeit, kannst du sie auch beauftragen. Social Media Content ist bei uns eine eigene Leistung, zu der auch Texten, Planen und Veröffentlichen gehören kann.
Imagefilm oder Werbevideo selbst erstellen? Hier raten wir ab
Auch einen Imagefilm oder ein Werbevideo kannst du mit gründlicher Planung und passender Ausrüstung selbst erstellen. Der Softwarehersteller TechSmith rät in seinem Ratgeber zum Werbevideo, vorher zu prüfen, ob Zeit, Programme und Wissen dafür da sind. Für das erste Projekt empfiehlt er, genug Zeit zum Einarbeiten und für Fehler einzuplanen.
Wir raten bei Imagefilm, Werbespot, Recruitingfilm und Success Story trotzdem zum Beauftragen, das folgt aus der Faustregel von oben. Gerade ein Werbespot lebt von Geschichte, Schnitt und Ton, und genau das braucht Erfahrung.
Bei uns stehen vor dem Dreh zwei Gespräche, eines zu Bedarf und Zielgruppe und eines zur Drehplanung. Nach dem Dreh folgt die Nachbearbeitung, also Schnitt, Musik und Ton. Dazu gehören eine Vorschau, deine Rückmeldung und Korrekturen. Diese Arbeit fällt auch an, wenn du selbst drehst. Sie landet dann bei dir.
Woran selbst gedrehte Firmenvideos scheitern
Aus unserer Sicht scheitern selbst gedrehte Firmenvideos selten an der Kamera. Die Schwachstellen, die auch Ratgeber zum Selbstdrehen nennen, sind Ton, Licht, Plan und Zeit.
- Ton: Schlechter Ton lenkt ab, und die Aussage des Videos kommt nicht an.
- Licht: Schlechtes Licht lässt sich in der Nachbearbeitung nach unserer Erfahrung ebenso wenig retten wie schlechter Ton.
- Plan: Wer ohne Plan dreht, hat am Ende Rohmaterial, also ungeschnittene Aufnahmen, aber keinen Film mit einer Aussage. Dann fehlen leicht genau die Sätze, auf die es ankam, weil vorher niemand die Fragen überlegt hat.
- Zeit: Wer zum ersten Mal ein Video erstellt, muss sich in Dreh und Schnitt erst einarbeiten. Diese Arbeitszeit ist ein Kostenfaktor, auch wenn keine Rechnung kommt.
Dass der Ton den Eindruck prägt, legt eine Studie von Eryn Newman und Norbert Schwarz aus dem Jahr 2018 nahe, Titel „Good Sound, Good Research“. Die beiden spielten dieselben Vorträge und Radiointerviews in guter und in schlechter Tonqualität vor. Bei schlechtem Ton bewerteten die Testpersonen die Forschung und die Forschenden schlechter, obwohl der Inhalt gleich war. Um Firmenvideos ging es in der Studie nicht, um den Eindruck von einer Person und ihrer Arbeit schon.
Firmenvideo selbst erstellen in vier Schritten
Ob Firmenvideo, Clip für soziale Medien oder Schulungsvideo: Videos selbst erstellen kannst du in vier Schritten.
- Ziel festlegen. Schreib auf, wer das Video sehen soll und welche eine Aussage hängen bleiben soll.
- Ablauf aufschreiben. Notier Stichpunkte statt ganzer Sätze, denn abgelesene Texte wirken oft hölzern. Sprich einmal laut durch, was du sagen willst, bevor die Kamera läuft.
- Drehen. Dreh entlang deiner Stichpunkte. Worauf du bei Ton, Licht und Bild achtest, steht im nächsten Abschnitt.
- Schneiden. Schneide Längen heraus, bis die Aussage aus Schritt 1 klar dasteht. Verzichte auf aufwendige Effekte und Übergänge. Beides kostet viel Zeit, und das Ergebnis wirkt überladen.
Filmen mit dem Smartphone: Ton, Licht und ruhiges Bild
Kümmere dich beim Filmen mit dem Smartphone zuerst um den Ton, dann um das Licht, dann um ein ruhiges Bild. Außer dem Smartphone empfehlen wir dir dafür drei Dinge: ein Ansteckmikrofon, ein Fenster und ein Stativ.
Ton. Ein Ansteckmikrofon ist ein kleines Mikrofon, das an der Kleidung der sprechenden Person klemmt. Damit ist das Mikrofon nah am Mund. Ist ein Mikrofon zu weit weg, kann der Ton unbrauchbar werden. Hör dir vor dem eigentlichen Dreh eine Probeaufnahme an, am besten mit Kopfhörern.
Licht. Dreh in der Nähe eines großen Fensters, sodass das Tageslicht die Person vor der Kamera von vorn ausleuchtet. Vermeide Gegenlicht: Das Fenster gehört hinter die Kamera, nicht hinter die Person.
Ruhiges Bild. Stell das Smartphone auf ein Stativ. So bleibt das Bild scharf und ruhig.
Für Plattformen wie TikTok, die viele auf dem Smartphone nutzen, empfehlen wir das Hochformat.
Auch wenn du professionelle Videos erstellen willst, gilt: Vorbereitung, sauberer Ton und passendes Licht zählen mehr als möglichst teure Technik.
Einwilligung und Musik vor dem Veröffentlichen klären
Auch bei einem selbst gedrehten Video stellen sich rechtliche Fragen, unter anderem zur Einwilligung der Menschen im Bild und zu den Rechten an der Musik. Wann du die Einwilligung deiner Mitarbeitenden brauchst und was hineingehört, erklären wir im Beitrag zur Einverständniserklärung für Videoaufnahmen. Bei der Musik geht es um die Musiklizenz, also die Erlaubnis, ein Stück in deinem Video zu verwenden. Welche Musik du nutzen darfst, steht im Beitrag GEMA im Imagefilm. Beide Beiträge ersetzen keine Rechtsberatung, dieser Abschnitt auch nicht.
Alltägliches selbst, den Imagefilm vom Filmteam
Selbst drehen und beauftragen schließen sich nicht aus. Zusammen ist das aus unserer Sicht oft die beste Lösung. Die Zimmerei aus dem Beispiel macht es so: Das Alltägliche dreht sie selbst, den Film für die Startseite beauftragt sie.
Dazwischen gibt es einen dritten Weg. Wenn du genau weißt, was aufgenommen werden soll, und jemand das Material danach schneidet, kann ein gebuchter Kameramann genügen. Wann das aufgeht, steht im Beitrag Kameramann buchen oder Filmproduktion.
Häufige Fragen
Mit KI kannst du ein Firmenvideo erstellen, etwa ein animiertes Erklärvideo, solange darin keine echten Menschen und Orte zu sehen sein müssen. Sobald dein Unternehmen, deine Leute oder ein bestimmter Ort im Bild sein sollen, kann KI das nicht leisten, weil sie Bilder erzeugt statt aufzunehmen. Mehr dazu steht im Beitrag KI-Video für Unternehmen.
Zum Filmen genügt die Kamera-App deines Smartphones, zum Schneiden eine einfache Schnitt-App wie iMovie oder CapCut. Wer lieber am Rechner schneidet, findet mit DaVinci Resolve ein umfangreicheres Programm.
Ein selbst gedrehtes Video kostet deine Arbeitszeit, dazu Zubehör wie Ansteckmikrofon und Stativ und je nach Wahl ein Schnittprogramm. Rechne die Stunden für Planung, Dreh und Schnitt mit ein, bevor du Selbstdrehen und Beauftragen vergleichst.
Fazit: Erst der Zweck, dann die Kamera
Geh als Nächstes deine geplanten Videos durch und stell zu jedem die drei Fragen von oben. Die Videos für den Alltag drehst du selbst. Bleibt ein Film übrig, der lange halten soll? Dann schreib vor der ersten Anfrage auf, wer ihn sehen soll und was diese Person danach tun soll. Unsere Video-Briefing-Vorlage mit den Angaben, die du ins Erstgespräch mitbringst, hilft dir dabei.
Bist du unsicher, ob du ein Video selbst drehst oder beauftragst, dann erzähl uns kurz davon über die Kontaktseite. Nicht jede Anfrage muss eine große Produktion werden. Wie ein Film aussieht, der ein Unternehmen als Ganzes zeigt, siehst du auf unserer Seite Imagefilme.