Kurz gesagt: Zwischen lauter ähnlichen Stellenanzeigen kann ein Video zuerst auffallen. Studien zeigen, dass Gesichter und Dinge, die sich plötzlich zu bewegen beginnen, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Für eine einzelne Stelle reicht dafür oft ein kurzer Clip: eine Person, die genau diese Arbeit macht, an ihrem Arbeitsplatz und in einem typischen Moment ihres Tages.
Wir bei DREHGUT drehen in Lübeck Filme für Unternehmen, darunter Recruitingfilme für die Personalsuche. Viele Betriebe kennen die Lage: Die Anzeige ist online, aber es meldet sich kaum jemand. Ein Video kann helfen, dass deine Stelle überhaupt bemerkt wird. Hier liest du, wo ein Video hilft und wann du dir den Aufwand sparen kannst.
Warum ein Video in der Stellenanzeige zuerst auffällt
Ein Video bringt etwas in die Anzeige, das Text nicht zeigt: Menschen, die sich bewegen. Das fällt auf, weil Stellenanzeigen sich im Aufbau stark ähneln. Wer durch eine Liste scrollt, sieht immer wieder fast dasselbe Bild.
Das hat mit unserer Wahrnehmung zu tun. In Blickbewegungsversuchen von Cerf, Frady und Koch (2009) schauten Menschen auf Gesichter in Fotos, selbst wenn sie eigentlich etwas anderes suchten. Text zog den Blick dort allerdings fast genauso stark an. Nach Abrams und Christ (2003) zieht der Moment die Aufmerksamkeit auf sich, in dem sich etwas zu bewegen beginnt. Was sich schon die ganze Zeit bewegt, tut das nach ihren Versuchen nicht automatisch.
Beides stammt aus Laborversuchen, nicht aus Messungen an Stellenanzeigen. Eine belastbare Studie, nach der Anzeigen mit Video mehr Klicks bekommen, haben wir nicht gefunden. Anbieter werben mit solchen Zahlen, legen aber ihre Methode nicht offen.
Näher an der Personalsuche liegt ein Experiment dazu, was ein Video beim Zuschauen leistet. In einem Experiment von Walker und Kollegen (2009) wirkten Unternehmen anziehender und ihre Angaben glaubwürdiger, wenn Mitarbeitende auf der Karriereseite im Video mit Ton zu Wort kamen statt auf einem Foto mit Text. Ein kurzer Film kann zeigen, wo jemand arbeiten wird und mit wem.
Wo Bewerbende das Video sehen
Am ehesten sehen Bewerbende dein Video dort, wo du selbst gestaltest, was sie zuerst sehen: auf deiner Karriereseite und in deinen eigenen Beiträgen. In Jobbörsen und in der Google-Jobsuche ist das weniger sicher.
| Ort | Wann das Video zu sehen ist | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Karriereseite | sofort, wenn es direkt bei der Stelle eingebunden ist | Video über dem Anzeigentext platzieren, nicht am Seitenende |
| Feed, etwa LinkedIn oder Instagram | beim Scrollen, bei LinkedIn laufen einige Videos ohne Ton an | die ersten Sekunden müssen ohne Ton verständlich sein, etwa mit der Stelle als Text im Bild |
| Stepstone | als Zusatzprodukt eingebunden, wo genau, sagt die Produktseite nicht | vorher fragen, ob das Video schon in der Trefferliste erscheint |
| Indeed | Videos gehören zum Premium-Unternehmensprofil | klären, ob es bei der einzelnen Anzeige zu sehen ist |
| Google-Jobsuche | Googles Vorgaben für Stellenanzeigen sehen kein Video vor | hier zählt ein klarer Anzeigentext |
Die Angaben zu LinkedIn, Stepstone, Indeed und Google stammen von den Anbietern selbst, frag im Zweifel bei deiner Jobbörse nach.
Für die Stellenanzeige heißt das: Das Video wirkt am stärksten dort, wo es von selbst ins Bild kommt. Wenn du für deine Kanäle ohnehin regelmäßig kurze Clips brauchst, plan die offenen Stellen gleich mit ein, statt einen einzelnen Film zu drehen.
Was die Anzeige selbst leisten muss
Das Video holt den Blick, halten muss ihn die Anzeige. Wenn du eine Stellenanzeige erstellen oder überarbeiten willst, fang deshalb bei der Klarheit an. Wir würden sie so aufbauen: kurz, wer ihr seid, dann die Aufgaben, was du erwartest, was du bietest und wie man sich bewirbt. Am wichtigsten sind uns dabei die Aufgaben, die Rahmenbedingungen und der Weg zur Bewerbung, klar und ehrlich beschrieben.
Eine moderne Stellenanzeige erkennst du daran, dass sie konkret ist: Aufgaben statt Floskeln, echte Arbeitszeiten statt „flexibel“, eine Ansprechperson mit Namen. Wenn du ein Gehalt oder eine Spanne nennen kannst, gehört sie in den Text. Und der Weg zur Bewerbung sollte kurz sein, am besten ohne langes Formular.
Eine Grenze dafür, was nicht in einer Stellenanzeige stehen darf, setzt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Nach § 11 AGG darf eine Stelle nicht so ausgeschrieben werden, dass sie gegen das Benachteiligungsverbot des Gesetzes verstößt. Gemeint sind die Gründe aus § 1 AGG: Rasse oder ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Identität.
Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 11.08.2016 ließ die Zusage einer Arbeit „mit einem jungen dynamischen Team“ eine Benachteiligung wegen des Alters vermuten. Was im Anzeigentext nicht stehen darf, sollte deshalb auch im Video niemand sagen. Dieser Überblick ersetzt keine Rechtsberatung.
Uns ist noch etwas anderes wichtig. Ein Film, der ein Team zeigt, das es so im Alltag nicht gibt, bringt dir eher die falschen Bewerbungen als mehr passende.
So erstellst du ein Video für eine einzelne Stelle
Ein Jobvideo, also ein kurzes Video zu genau einer Stelle, zeigt eine Person, die diese Aufgabe macht, den Ort, an dem sie arbeitet, und einen typischen Moment aus ihrem Tag. Am Ende steht der Hinweis, wie man sich bewirbt. Mehr braucht es selten.
Ein ausgedachtes Beispiel zeigt, wie das aussehen kann. Angenommen, ein Heizungsbetrieb in Ostholstein sucht eine Anlagenmechanikerin. Die erste Idee liegt nahe: die schönsten Bilder aus dem Imagefilm nehmen, also Firmengebäude, Chef am Schreibtisch, Logo. Nur sagen diese Bilder nichts über die Stelle. Wer sich bewerben soll, will wissen, wie ein Arbeitstag aussieht.
Also drei kurze Szenen. Morgens wird der Transporter beladen, man sieht Werkzeug, Kolleginnen und Kollegen, ein bisschen Hektik. Dann steht eine Gesellin beim Kunden im Keller und sagt in zwei Sätzen, was ihr an dem Job gefällt. Zum Schluss sagt der Meister, wie man sich meldet, und die Telefonnummer steht im Bild. Aufgaben, Arbeitszeiten und Ansprechperson stehen im Anzeigentext, das Video muss sie nicht wiederholen.
Für die einzelne Anzeige braucht es selten einen großen eigenen Film. Oft reicht ein Ausschnitt aus einem Recruitingfilm, also dem längeren Film über deinen Betrieb als Arbeitgeber, wenn er genau diese Rolle zeigt. Wer ohnehin einen Recruitingfilm plant, denkt die Fassungen für Stellenanzeigen am besten von Anfang an mit. Dann entsteht beim Dreh gleich das Material für einzelne Stellen.
Halte das Video kurz. Eine Länge, die in Stellenanzeigen nachweislich am besten wirkt, haben wir nicht gefunden. Was bei der Länge von Unternehmensfilmen zählt, auch bei Recruitingfilmen, haben wir im Beitrag zur Länge von Imagefilmen zusammengetragen.
Glaubwürdig wird so ein Video vor allem durch echte Mitarbeitende. Deine Leute müssen vor der Kamera nicht perfekt reden, sie sollen so reden wie sonst auch. Bewerbende merken schnell, ob jemand über den eigenen Job spricht oder einen Text aufsagt. Wie du dein Team darauf vorbereitest, liest du in unserem Beitrag über Mitarbeitende vor der Kamera.
Wann sich ein Video in der Stellenanzeige nicht lohnt
Besetzt du eine Stelle nur alle paar Jahre, rechnet sich ein eigenes Video für diese eine Stelle kaum. Ist die Anzeige unklar, macht ein Video das Problem nur sichtbarer. Und wenn Bewerbende im Formular aufgeben, erreicht das Video zwar mehr Menschen, aber es kommen trotzdem kaum Bewerbungen an. In allen drei Fällen hilft dir zuerst eine bessere Anzeige mehr als ein Film.
Wenn du abwägst, wo dein Budget für die Personalsuche am meisten bewirkt, hilft dir unser Vergleich Karrieremesse oder Recruitingfilm.
Häufige Fragen
Den Preis bestimmt unter anderem, ob das Video aus vorhandenem Material entsteht oder eigens gedreht wird. Ein Ausschnitt aus einem Recruitingfilm kostet weniger als ein eigener Dreh mit Team, Ort und Nachbearbeitung. Je genauer du vorher weißt, welche Person, welcher Ort und welcher Moment ins Video sollen, desto besser lässt sich der Aufwand einschätzen. Wir bei DREHGUT kalkulieren jedes Projekt einzeln.
Ja. Die Bundesagentur für Arbeit zeigt auf BERUFE.TV zwar Filme zu Ausbildungsberufen. Was ein allgemeiner Berufsfilm nicht zeigen kann, zeigt aber dein Video: deinen Betrieb und die Menschen, mit denen jemand die Ausbildung verbringt.
Vergleiche die Bewerbungen auf dieselbe Stelle vor und nach dem Video. Achte dabei auf zwei Dinge: wie viele Bewerbungen kommen und wie gut sie passen. Besetzt du die Stelle nur selten, fehlt dir der Vergleich. Frag dann im Gespräch, wie die Person auf deine Anzeige gestoßen ist und ob sie das Video gesehen hat. Welche Kennzahlen sich für einen Recruitingfilm eignen, erklären wir im Beitrag zum Erfolg eines Recruitingfilms.
Video-Recruiting heißt, dass du Videos in der Personalsuche einsetzt, von der Anzeige über die Karriereseite bis zum Gespräch per Video. Das Video in der Stellenanzeige ist ein Teil davon.
Fazit: Erst die Anzeige klären, dann das Video
Prüf zuerst, ob deine Anzeige klar ist und der Weg zur Bewerbung kurz. Dann kann ein Video dafür sorgen, dass deine Stelle zwischen vielen ähnlichen bemerkt wird, am ehesten auf deiner Karriereseite und in deinen eigenen Beiträgen. Für die einzelne Stelle reicht oft ein kurzer Ausschnitt mit einer Person, die genau diese Arbeit macht.
Wenn du überlegst, wie ein Video deine Personalsuche unterstützen kann, schau dir unsere Recruitingfilme an. Oder schreib uns, dann sprechen wir über deine offenen Stellen.